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Gedichte 2
 

Une page d'amour
Rosen
Weiße Nelken
Sommertraum
Nachmittag
Die Schwalbe
Ich brauche
Menschen
Sehnsuchtslied
Mondschein1
Isabella
Du sagtest
Glaubensbekenntnis
Impressions musicales
Mondschein 2
An den Meister
Héliotrope
Hier sollten Verse blüh'n
Spleen
An *
Bitte

Une page d'amour


Er liebte sie mit trunk'nem Lebensfieber ...
Er lechzte, aus dem weißen Feenleib
Ihr tiefstes Rätsel durstig einzusaugen ...
So liebte er, und seine Liebe war
Ein heidnisch Lied und duftete nach Rosen
Und feuchter Erde ...
                              Die er liebte, war
Ein schmächtig Weib mit märchenblauen Blicken,
Und bleicher Hand und dämm'rig blondem Haar,
Und lauter Duft, der blaß in Farben schimmert,
Und lauter Psyche war sie und Musik ...
Sie liebte ihn mit scheu erhob'nen Augen,
Mit schmerzlich tiefem, ungesproch'nem Drang
Zu Füßen ihm, die Seele zu verbluten,
Ihr Leben ihm und Blumen hinzustreu'n ...
In glückgeschwellter, betender Ekstase.

So liebte sie ... Und ihre Liebe war
Wie Glockenton und duftete nach Äther
Und Weihrauch ... Aber er verstand sie nicht.

Und endlich kam der Tag, der sie vereinte,
Und endlich kam die Nacht ...
                                        Ein Junimond
Sah weit und sinnend in den schwülen Garten
Und perlte lichte Tränen in den Fluß,
Und weinte auch in den Akazienästen,
Die wirr entbrannt in weißen Phantasien.
Der heiße Mann stand nah' dem Flußgelände
Und preßte wild das weiße Weib an sich -
- Wie kalt du bist, mein schönes Weib! -
                               "Mich fröstelt!" ...
- O, hörst du nicht, wie lauer Abendwind
Mit jenen Zweigen kost? Er küßt die Blüten,
Sie flattern ihm zu Füßen, liebeschwer ...
Der Abendwind und jene Blüten lieben -
Wie du und ich!
                       Sie schüttelt den Kopf:
- "Ich hör' ihn anders ... sieh' der Abendwind
Liebt all die weite Schöpfung, darum irret
Er ewig rastlos, darum sehnt er sich,
Der Schöpfung Märchenseele auszutrinken ...
In schauernd tiefer, unentweihter Liebe ...
Weil sie einander ewig Rätsel sind,
Wie du und ich!"


                       Doch er rief angstvoll, drohend:
O, du bist krank! Bei dir ist die Natur
Zu wolkenfeinem Seelenhauch verflüchtigt!
Ich heil' das Leid. Komm', folge mir ins Haus!

Ich bin ein Mann mit atmend schnellen Pulsen,
Und ford're Mannesrecht ... Sie zuckte auf,
Mit fremder Stimme flehend: "Eine Frage!"
- Gewiß, du seltsam Weib. Bin ich es nicht,
Der alle Rätsel für dich lösen soll?
Und zitternd frug sie: "Auch das große Rätsel
Der reinen Liebe, ewig unentweiht?"

Ihr Auge sprühte Geisterglanz ... ihm graute ...
"Und weißt du," frug sie, "daß es Liebe gibt,
Die nicht im Krampf der warmen Glieder glutet, -
Die himmlisch ist und Seel' an Seele zieht
In körperloser, ewiger Verschmelzung?"
   Er sagte stammelnd: Schönes, blasses Weib ...
Ich wollt' dich ja so gerne glücklich machen ...
- Ein Jubelschrei ... sie faßte das Geländer -
"Mir nach, Geliebter!" ... Weh! Und sie verschwand.
Er stürzte nach, und beide sanken, sanken
In unentweihter, ewiger Umarmung ...

Rings wieder stille; leise wob die Nacht,
Der Mond goß lichte Perlen auf das Wasser,
Und sehnend trank der irre Abendwind
Der weiten Schöpfung ew'ge Märchenseele ... -


Rosen


Es drängt mein Selbst, das blütenlose,
Voll Sehnsucht ewig nach der Rose,
Die schlank in blonde Lüfte taucht,
Und tiefe, süße Freude haucht!

Ich wollt' an ihrem Kelche singen,
Von Brisen, Tau und Schmetterlingen;
Und all das weite, bange Leben
Sollt' mich ein Rosenduft umschweben ...

Weiße Nelken

Du weiche, duftig-schwüle Blüte,
So seltsam nah mir und vertraut,
Als ob ein Hauch mir im Gemüte
Wie Wehen deines Atems taut'!

Dein Hauch ist drängend heißes Quälen,
Wie es mich selbst so wirr durchbebt ...
... Kennst du die Mär der Kinderseelen -
Der Seele, die in Blumen lebt. -

Und die, erwacht zu Daseinsschmerzen,
Noch Blütenodem mit sich bringt,
Daß es ihr oft im tiefsten Herzen
Wie duftiges Erinnern klingt ...?

Wenn ich dich schau' ... in halbem Bangen
Denk' ich der schaurig-süßen Mär ...
Hab' ich von dir das Glutverlangen
Von dir die kranke Seele her? ...

Sommertraum

Golddurchflammte Ätherwogen,
Schwerer Äste grüne Bogen,
Süß verwob'ne Träumerei'n ...
Sommer, deine warmen Farben,
Helle Blumen, gold'ne Garben
Leuchten mir ins Herz hinein ...

In dem Wald, dem dämm'rig düstern,
Hörst du's rauschen, lispeln, flüstern,
Elfenmärchen - Duft und Schaum? ...
Blumenkinder nicken leise,
Lauschen fromm der alten Weise
Von des Waldes Sommertraum ...

Und der See, der windumfächelt
Lallend plätschert, sonnig lächelt,
Netzt das Schilf aus lauem Born ...
Rosen blühen am Gelände,
Rosenglut, wo ich mich wende,
Und im Herzen tief ein Dorn ...

Nachmittag

Durch die kirchenstillen Zimmer
Spielt ein goldigkühler Schimmer,
Streift mit lichten Feenhänden
Schmeichelnd an den stummen Wänden ...

In den Ecken, aus den Falten
Bebt es, wie von Luftgestalten,
Bebt es ... wie vom Märchenlande ...
      Elfenzarte Schaumgewande,
Lichte Zauberschleier - schweben
Zärtlich über all mein Leben,
Das unendlich graue, hin ...

Da erwacht der weite Sinn,
Der durch alle Schöpfung klingt ...

Durch die stillen Zimmer singt
Aller Linien tiefes Sagen,
Aller Düfte scheues Fragen ...
Aus den schweigenden Tapeten
Seh' ich Blumenkelche treten,
Die im Goldlicht leise nicken
Und mit klugen Blumenblicken
Starren sie so lang auf mich ...
Und ich weine - - bitterlich.

Die Schwalbe

       "O swallow, singing swallow" ... (Swinburne.)

Du blaue Schwalbe, kehre wieder!
Laß' dich in meiner Seele nieder!
Du hattest dir ... so weich und traut
Darin ein Liedernest erbaut,
Als ich dich wild von dannen schlug,
Weil ich dein Lied nicht mehr ertrug ...

Ich hab' seither soviel gefühlt
Und hab' dein Nest zerfranst ... zerwühlt ...
Und hast es doch mit frohem Mut
Gebaut aus lichter Sonnenglut,
Aus süßer Tränen Frühlingstau,
Aus tiefem, frommem Himmelsblau
Und kleinen, scheuen Wiesenblüten ...

Ich hab' in schmerzlich wildem Wüten
Dein süßes, dummes Nest verbrannt, -
Da ward die Seele Wüstenland ...

Weil ich ein schön'res Lied gewöhnt,
Nach dem ich weinend mich gesehnt!
Ein Vogel sollt' - mit goldnen Schwingen -
Mir trunk'ne Märchenlieder singen,
Die mich durchglüh'n wie sinnlos Rasen
Und letzte höchste Glücksekstasen,
Die einem blassen, toten Leben
Erst heiße, schwere Deutung geben ...
Ein Lied, so ätherweit und zart -
Ich habe lange - lang geharrt.

Du blaue Schwalbe! kehre wieder!
Laß' dich in meiner Seele nieder!
- Du wirst jetzt alles anders finden,
Die Sonnenglut ließ ich entschwinden,
Die Frühlingstränen sind entwichen,
Die Wiesenblüten längst verblichen - - -

Aus roten Ampeln aber fällt
Ein Licht, das dämmerschwül erhellt,
Aus dunklen Bechern flammt ein Chor
Von Duftgesängen wirr empor,
Und wellengrüne, samt'ne Wogen
Sind schützend um den Raum gezogen,
Daß mir kein greller Tagesschein
Des frechen Lebens fällt hinein - - -

O Schwalbe, kehrst du nimmermehr?
Ist dir die Luft zu rot - zu schwer?

Ich brauche Menschen

Ich brauche Menschen! Ja - in hellen Zimmern,
Erfüllt von Düften, Lächeln, Fächeln, Flimmern,
Wo schlank geformt - leichtwiegende Gedanken
Von Mund zu Mund sich lachend, blühend ranken!

Ich brauche Menschen ... seid'ner Schleifen Rauschen
Und Blicke, die sich sorglos spielend tauschen,
Und Worte, die ob tausend Kelchen schweifen
Und manchmal scheue, süße Beeren streifen -
Und Töne, die wie flücht'ge Küsse drängen
Und sich an lauschend bange Ohren hängen
Und bunte Wolken in die Blicke stäuben
Und blenden, schmeicheln, lügen und betäuben
Und all das Leere, Schwere überhallen ...

- - Stöhnst du, mein Herz, daß wir so tief gefallen?

Sehnsuchtslied

Blass und klingend fiel die Sonne
In das morgenfeuchte Laubnetz ...
Aus den Ranken, blass und klingend,
Schwebte licht ein wehes Lied.

Sehnsuchtswirr und qualvoll zärtlich, ...
Ängstlich schauernd vor dem Leben,
Und mit tausend feinen Fasern
Durstig doch nach Leben lechzend ...
Durstig nach dem Ungelebten,
Das im weiten Liladuft liegt ...

Aus den Ranken, blass und klingend,
Schwebte licht ein weißes Wehlied,
Und es sang von einem Garten,
Den die Sonne schmeichelnd einspinnt, ...
Wo aus großen Blumenkelchen
Dunkle Rosenträume aufblüh'n ...
... In der Ferne, kindisch kosend,
Plaudert eine liebe Spieluhr.
Über allem, liladuftig,
Webt ein weiter Sommerhimmel,
Und ein flüchtig süßes Hauchen ...
... Feuchter Flieder, weiße Rosen ...
Und von stiller, blonder Freude,
Und das Ungelebte, Liebe ...
Sehnsuchtswirr und qualvoll zärtlich
Klang das alte Lügenmärchen,
Und ich sog es ein, verdurstend,
Und ich weiß doch - niemals! niemals -

Mondschein 1

Mit mondesweißen, drängend tiefen Blicken
Starrt mich die blasse Herbstnacht fragend an.
- "Was ist's? Was ist's, daß du wie sonst nicht beben
Und weinen, lächeln, träumen kannst wie sonst?
Nenn' mir dein Weh! daß ich die roten Schmerzen
In weißen Wohllaut liebend lösen mag!
Mir sprachen viele - oft von ihren Schmerzen -
Nenn' mir dein Weh!"
                              O, weißer, weiter Mond!
Das ist's, was mich zum wilden Wahnsinn hinpeitscht,
Daß ich den eig'nen Schmerz nicht nennen kann ...
Ist's matter Glieder schlaffe Körperfessel?
Ist's Herzenstod und Herzensleichenfrost?
Ich fühl's so kalt in allen Fasern rieseln,
Ich fühl's erstickend die Gedanken pressen,
Ich fühl', wie's mich zerquält, zernagt, zerfrisst ...
O Gott! hat diese Krankheit keinen Namen?!
Und manchmal kommt mich grelles Lachen an,
Weil alles Selbstbetrug ist ... Wahn ... Erfindung ...
Mein ganzes Weh ist Lüge ... Lüge ... Lüge ...
O, weißer Mond! Ich halte keuchend ein.
Du träumeschweres, fremd-vertrautes Rätsel
... Weißt du, wie blass die Tuberose war?
In ihrem Kelch die nervenkranke Seele,
War sie gewoben nicht aus Mondenschein?
- - ...
O, weißer Mond! und warum schwand'st du damals?
Was hast du mich nicht tot geküsst zuvor?

Isabella

... Sie sollte eine Königskrone tragen,
Weil sie so hoch ist, quälend schön und kühl - -
Aus steifem Samt die schleppenden Gewänder,
Von schweigend dunklem, feierlichem Blau;
Dran müssten matte Silberspangen flimmern,
Und in dem langen, rätselschwarzen Haar
Ein Diadem aus Silber und Smaragden ...

Und alle knie'ten vor der Königin,
Gebannt vom Zauber ihrer herben Schöne,
Und harrten ihres Lächelns, süß und kalt,
Und ihrer Stimme, die so licht und fremd ist
Wie grüne Seen, im weißen Mond verglast ...
Und alle wollten für dies Weib verbluten
Und wussten doch, daß sie an keinen glaubt!

Und schauernd kniet' ich vor der Königin,
Und musste an die hohe Lilie denken,
Die fröstelnd bleich und lauter Hochmut ist ...

Ich aber weiß, daß in dem Lilienkelche
Ein kleiner Elfengeist gefangen zuckt,
Und daß von all den scheuen Elfentränen
Die Lilie so bleich und fröstelnd ward ...

Und schauernd kniet' ich vor der Königin,
Und dachte an die Lilie ... und dachte ...

Du sagtest

Du sagtest mir in jener Stunde
Daß meine Seele reich ist ...
Ich glaube fast, daß mir im Grunde
Nur alles, - alles - gleich ist.

Ich freu' mich jeder Seelenblüte,
Die fremden Atem haucht,
Seit jeder Kelch, der mir entglühte,
Erstarrt ist und verraucht ...

Und fremde Blumen muss ich warten,
- Das lag mir einst so fern! -
.... Weil ich den eig'nen, toten Garten
Vergessen will, so gern - - !

Glaubensbekenntnis

O, ich glaub' an weite Märchenauen,
Die im Wolkenland der Seele blauen, -
Und an Engel, die mit Schönheit laben,
Blondes Haar und weiße Hände haben;
Und ich höre in des Waldes Knistern
Tausend feine Elfenstimmen flüstern, -
Seh' die scheuen, lockigen Najaden,
Blasse Glieder weich in Mondschein baden, -
Kann an hastig hellen Wassern lauschen
Wie so viele Tränen darin rauschen ...

Und ich glaube an die gold'nen Schwellen,
Wo die wirren, roten Düfte quellen,
Wo im Winde hohe Lilien schaukeln,
Wo dich Träume wundersam umgaukeln.

Und ich glaub' an flammende Kadenzen,
Die im ew'gen Sternenrhythmus glänzen,
Die in tiefen, hehren Melodien
Alle Schöpfung ahnungsschwer durchziehen,
Und ich weiß, - daß selbst die harten Töne
Einst zerschmelzen in das Ewig-Schöne, -
Daß im Leben, das dich müde wiegt,
Ein Symbol, ein Weites, Gold'nes, liegt.

Impressions musicales

In schweigenden Nächten, aus weinenden Kelchen
Klingen die duftigen Elfen empor:
Schmächtige Mädchen mit todbleichen Wangen ...
Flehende Sehnsucht und reines Verlangen ...
Hörst du das Säuseln in müden Syringen?
Hörst du das ahnende, schwebende Singen?
Hörst du die bebende Geige im Chor?

An fiebernden Tagen, aus samtigen Rosen
Flammen die lockigen Knaben empor:
Trotzige Knaben mit zärtlichen Lippen,
Brennende Qualen und hastigen Nippen ...
Hörst du das Rauschen von schluchzenden Quellen?
Hörst du das tiefe, verwirrende Schwellen?
Hörst du das trunkene Cello im Chor?

In fröhlichen Stunden, aus spielenden Winden
Schlüpfen die neckischen Kinder empor ...
Trillerndes Lachen und Jubeln und Schmettern ...
Lustige Kämpfe mit Früchten und Blättern ...
Hörst du das Rufen und Fragen und Zaudern?
Fragen und Staunen und kindliches Plaudern ...
Hörst du die rosige Flöte im Chor?

Mondschein 2

Aus grünlich seid'ner Wolkendecke flammte
Der weiße, märchenhelle Mond empor
Wie eine schwere, bleichgeglühte Lilie
Aus samt'nen Frühlingsrasen silbern blüht ...
Die Mondeslilie hauchte seufzend nieder
Den schwülen Atem, der mir tödlich ist,
Und den ich darum liebe - lechzend liebe,
Wie Farbenklänge, Duftmusik und all'
Die süße Übertäubung ...
                                   Wie sein Atem
Mir in die Seele floss, zerschmolz sie mir
Zu fliederblassem Duft, und schwebte wolkig
Empor, mit weißem Mondduft sich verwebend ...

Das ward ein Hauch, der süßverwirrend mir
Das Haupt berauschte ... ich berauschte fiebernd
Mich an der eigenen Seele ... stürzte hin,
Und kniete weinend vor der eig'nen Seele
Und vor den reinen jungen Gliedern hin,
Und allem Schönen, das sie still verschweigen.
Ich liebte mich verzehrend, und ich liebte
Mit Sehnsucht die vergang'ne Einfalt auch, -
Mit ihren scheuen, großen Kinderblicken,
Mit ihrem leichten, flüchtigen Erröten ...
Vor allem aber liebte ich den Schmerz,
Den blassen Schmerz, der mich so namenlos
Zerwühlt in all den schlummerlosen Nächten
Und mich so elend macht ...

An den Meister

         "Es war ein Rätsel an ihm" ... (Ibsen.)

Sie haben oft vom Frühlingshauch gesungen,
Und von dem Blust, der allen Menschen blüht,
Und wohlverständlich war das Lied der Menge ...

Fernab, in Nordens meerumbraustem Eiland,
Träumt, abseits von dem Allerweltsgestade -
Ein einsamer Mann seines Lebens Gedicht.

Und die Menge hört seine seltsamen Worte
Und hört sie kopfschüttelnd und wandelt weiter
Und kann die Worte nicht versteh'n.

Denn die Rosen, die seiner Leier entblühen,
Sind bleiche, fremdartig brennende Blumen,
Die einen mit glutheiß beklemmendem Atem -
Durchleuchten, durchbeben, erzittern machen -
Halb dämm'rig bekannt und halb rätselhaft raunend.

Es ist die kranke, bleichbrennende Blume
Der kranken, bleichbrennenden Menschenseele;
Der Menschenseele süßschauriger Atem
Pulst glühend in seiner Dichtung Born ...

Und Töne erklingen darin, wie verträumtes,
Nur halb begriff'nes, wolkiges Sehnen,
Und schwellendes, blührot lebendiges Leben,
Und tobender Zweifel nachtdüst're Dämonen -
Und wieder das ferne, verschleierte Säuseln ...

Und die Menge höret die seltsamen Worte,
Und hört sie kopfschüttelnd, und wandelt weiter
Und kann die Worte nicht versteh'n.

Denn über allem schwebt ewig das blaue,
Das weltendurchraunende, ewige Rätsel ...

Nur manchmal in der menschenreichen Wüste,
Zuckt' wo ein irres sehnsuchtsmüdes Herz,
Das jene Klänge aus des Meisters Leier
Heißhungrig einsaugt und erbebend fühlt,
Daß drin ein Echo seines tiefsten Selbst klingt ...

Erbebend fühlt es, wie um seine Wunden,
Um aller Menschheit ewig Wundenmal,
Der fremde Meister seine blasse Hand legt;
- 's ist eine feine, weiche, seid'ne Hand -
In ihrem Druck bebt Liebe, lauter Liebe ...

Héliotrope

In deines Zimmers trauter Dämmerhelle ...
Die Luft gekost von roter Lichteswelle,
Und drin erzittern fromme Kinderlieder
Und feiner Duft von vollem, feuchtem Flieder,
Und Vasen, Ampeln, Kissen atmen schwer
Ein rätselhaftes: "Es ist lange her" ...
Und all das Tiefe, das du je erlebt,
In den verschwiegen dunklen Nischen webt,
Und von den Tränen, die du weinst so leicht, -
Sind Farben rings und Klänge matt verbleicht,
Daß sie das Haupt mit stiller Nacht umspinnen ...

Ich war bei dir; in qualvoll wehem Sinnen
Sog ich den fernen, feinen, frommen Hauch
Und lächelte und litt unsäglich auch ...
Du sahst so lieb und zärtlich auf zu mir!
Du ahntest nicht, wie ich so ferne dir.
Die du ein sonnenlichter Frühlingssang,
Der von des Schöpfers frohen Lippen klang!

Ich war bei dir - so nah' an dich geschmiegt,
Daß ich vom Wohllaut deiner Welt umwiegt, -
Mich deiner Seele süßer Duft umspielte,
Und daß ich schauernd jenen Abgrund fühlte ...
Du sahst ihn nicht ... mein ist das kranke Sehnen,
Die abgequälten, ungeweinten Tränen,
Die sich das Herz zu tiefem Flussbett graben
Und soviel Gift und keinen Namen haben ...
Und fühlst du nicht, wie er sich endlos breitet
Und zwischen uns wie weite Wogen gleitet?
Ein fliederfarbig, ewigweites Band,
Das keine Brücke jemals überspannt ...

Hier sollten Verse blüh'n

Hier sollten Verse blüh'n ... weil Tränen
Oft in die Kissen perlten heiß,
Weil blasses, duftgewob'nes Sehnen
So oft hier spann den Zauberkreis ...

Weil hier so oft, aus wehen Träumen
Die weiße tote Hand mich grüßt,
- O Gott! daß ich in bangem Säumen
Die weiße Hand niemals geküsst!

Sie lag so lind, mit zarten Venen
Mir auf der Stirne, innig, weiß ...
- Hier sollten Verse blühn - weil Tränen
Oft in die Kissen perlten heiß ...

Spleen

Ich war zu lang bei Toten ...
                                        O, so lange
Lag seine blasse Hand auf meinem Blick,
Daß fahle Schleier auf die Erde fielen -
Und alles ward so fern und schwer und tot.

Ich war zu lang bei Toten ... O, ich lechze
Nach neuem Leben, neuer grüner Luft,
- Vielleicht nach feuchten, weißen Hyazinthen
Mit ihrem quälend süßen Seelenduft -
Vielleicht nach feuchten, silbergrauen Tagen ...

Die Erde starrt so trostlos matt empor.
Vereist sind ihr die heißen Liebesverse,
Sie hüllt sich fröstelnd in ein weißes Lied ...
Das bleiche Winterlied ... das Lied der Menschheit ...
Da plötzlich huscht ein laues Weh'n dahin,
Und in der Luft, der herbgeschwellten, zittert
Ein ahnungsbanges, ungesproch'nes Wort,
So tief, so seltsam ...
                               O, ich sehne mich
Nach dämmerweichen, scheu verschwieg'nen Tagen
Mit lindem Rieseln, das hinunter strömt
Viel neue Glut und neue Frühlingskelche,
Und lispelndes Verheißen, ach und all
Die süßen, lichten, ew'gen Frühlingslügen ...

An *

Um deine süße, grüne Seele
Ist mir so weh!
Daß ich sie dir im Frühling quäle
Mit Frost und Schnee.

Du Kind, das froh dem Sonnenleben
Entgegenblüht,
Mich hat das kranke Mondesweben
So bleich geglüht ...

Bleib' du! bleib' du an meiner Seite,
Mir ist so bang!
So lang, bis ich ins große Dunkel gleite!
- Vielleicht nicht lang. -

Bitte

Du stiller, blauer Alpensee
Schenk' mir von deinem Frieden,
Ertränke du mein altes Weh,
Erfrisch' den Geist, den müden!

Ich möchte die Libelle sein,
Die schwebend auf dir ruht,
Ich möchte eine Welle sein
Aus deiner klaren Flut!

Sieh' mir ins blasse Angesicht -
Erfüll', was ich begehrt!
Sag' an, löscht all' dein Wasser nicht
Die Glut, die mich verzehrt? ...