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Sämtliche Gedichte
Baumberg Gabriele

Wien 1800
K. u. K. Hofdruckerei Trattnern

Gedichte 1
 

An einen Freund
Beweggründe der Dichtkunst
Kennzeichen wahrer Liebe
Impromptu
Auf das erste Blatt
Auf den Fächer einer Freundin
Der Morgenkuß
Als ich einen Freund ...
Der Frühlingsmorgen
Selbstgespräch
Ihr Bild

Das fruchtlose Beispiel
Antwort
Das liebende Mädchen
Große Wirkungen aus kleinen Ursachen
Schwärmerei
In das Stammbuch
An einen schlechten Maler
Bei Übersendung einer Haarlocke
An den Mond
An gewisse Leute

An einen Freund


Endlich ist's entdecket das Geheimnis
Meiner Lieb'! entschleiert lieget jede
Tief gefühlte Regung; jede Wallung
Meines Herzens liegt vor dir entziffert!
Auch nicht eine Szene meines Lebens
Ist für dich nunmehr ein Rätsel! Alles,
Alles, was die Träume meiner Jugend
Mir verschönte, was mein Auge trübte,
Ist nun kein Geheimnis mehr! Zwar dir nur
Und dem sanften Bildner meines Herzens,
Meinem Vater! ach! vertraut' ich schüchtern
Mit Erröten und mit Tränen, was ich
Jahre lang in meinem Kopf und Herzen,
Voll des scheuen Mißtrauns gegen Menschen
Sorgsam barg, die zentnerschwere Bürde
Unterdrückter und verschwiegner Leiden.

Alles! Alles ist nunmehr am Tag;
Auch die kleinste Falte meines Herzens
Ist, so wie mein Schicksal, unverborgen
Eurem Aug', als guten weisen Richtern.
Sprach zu laut bisweilen die Empfindung,
Und verriet vielleicht zu oft das Weib sich,
Sagt' ich etwa allzu viel dem Liebling
In der Leidenschaft beredter Stunde:
O! so richte du mich, dessen Leitung
Ich voll Zuversicht mich überlasse;
Daß nicht arg die Nachwelt mich verdamme
Hohngelächter nicht mein Sarg errege. —

Abgeschüttelt ist die halbgereifte
Frucht einsamer Stunden! Fern vom Strahle
Warmer Liebe, wird das junge Bäumchen
Ohne seine Stütze sinken, dorren.
Sorge du denn, daß die halb gewelkten
Blätter nicht des Nordes Sturm verwehe.
Sammle du sie, meines Geistes Sprossen,
Welche Schelsucht schon im Keim erstickte.

Beweggründe der Dichtkunst

Heil dir! gepries'ne Dichtkunst, Heil!
Nur du besiegst das Vorurteil:
Was ich in Prosa unrecht finde,
Dünkt mich in Versen keine Sünde;
Den strengen Forderungen des Wohlstandes wehrest du,
Und singst den Cerberus Gebrauch in sanfte Ruh'.
Ein Mädchen, leider! darf's nicht wagen,
Zuerst: Ich liebe! zu gestehn;
Denn häßlich ist die Lieb' in unsern Tagen,
Doch die Koketterie, der Flattersinn ist schön.
Drum weih' ich mich dem süßen Dienst der Musen.
Wer ihnen dient, ergießet ohne Scheu
Sein Herz in ihren holden Busen,
Und niemand stößt sich dran; man hält's für Reimerei:
Und seh' ich einst den Mann vorübergehen,
Bei dessen Blick mein Herz mir doppelt schlägt;
Er ist's, er ist's! mir sagt, und sich nach ihm bewegt:
So will ich singend ihm: Ich liebe dich gestehen.

Kennzeichen wahrer Liebe

Nicht alles, was man Liebe heißt, ist Liebe,
Wenn's gleich Uraniens Gewänder trägt.
Unschuldig sind des Herzens erste Triebe,
Und selig der, der sie in uns erregt!

Ihr Feuer wärmet sanft, so wärmt die Sonne
Im Frühlinge den jungen Blütenbaum;
Sie ist allein der Urborn echter Wonne,
Und was ihr vorging, was ihr folgt, ist Traum.

Nur sie berührt des Herzens feinste Saite,
Die Einmal, Einmal nur harmonisch klingt,
Und dann verstummet, wenn nicht eine zweite
Gleich lautende zur Antwort widerklingt.

Sie ist genügsam, duldend und bescheiden,
Sie zehret stets von ihrem eignen Schatz;
Ein Wort, ein Blick gewährt für alle Freuden
Der Eitelkeit den reichlichsten Ersatz.

Durch stille Selbstzufriedenheit beglücket,
Ist sie verschwiegen, kaum dem Busenfreund
Vertraut sie, was sie kränket und entzücket;
Sie ist, indes die Afterliebe scheint.

Vor ihr entfliehn die niedrigen Begierden,
Erhabene Gedanken zeugt sie nur,
Und machet leicht der Menschheit schwerste Bürden.
Ach! was wär' ohne sie die Kreatur!

Sie kennt nicht kleinen Eigennutz, sie währet
Auch dann noch oft, wann jede Hoffnung flieht,
Still wie ein Lämpchen, das sich selbst verzehret,
Und ungesehn in öden Gräbern glüht.

Ihr, die ihr zürnt, wenn diese sanften Triebe
In uns erwachen, eh' ihr ihnen wehrt,
Bedenket, da? der Frühling echter Liebe
Oft schnell verblüht, und selten wiederkehrt.


Impromptu
in einer schönen Gegend

Schön ist die Gegend zwar;
Allein was hilft es mir?
Die Quell' und Würze meiner Freude,
Mein Adolph ist nicht hier.
O lieber Gott! nimm einst uns in den Himmel beide:
Allein dank' ich dafür.

Auf das erste Blatt
im Stammbuche meiner Freundin

Denkmal der Freundschaft! deine heil'gen Stufen
Wall' ich mutig zuerst hinan, und winde
Dieses kleine keimende Blatt zum Kranze
Deiner Verehrer.

Schönere Blumen pflückt dir einst die Liebe,
Lieblich grünendes Laub indes die Hoffnung.
Trockne, Fanny! Tränen des Grams; den Mehltau
Sind sie der Jugend.

Auf den Fächer einer Freundin

O Fächer, der oft Wunder tut,
O! kühle meiner Freundin Blut,
Wenn sie ein Geckenschwarm umringt,
Und es durch Zorn in Wallung bringt.

Doch zeigt der Funke Liebe sich,
Dann, lieber Fächer, hüte dich,
Denn ihn zu löschen hoffet man,
Und facht zur hellen Flamm' ihn an.


Der Morgenkuß
nach einem Ball

Durch eine ganze Nacht sich nah zu sein,
So Hand in Hand, so Arm im Arme weilen,
So viel empfinden, ohne mitzuteilen,
Ist eine wonnevolle Pein.

So immer Seelenblick im Seelenblick
Auch den geheimsten Wunsch des Herzens sehen,
So wenig sprechen und sich doch verstehen,
Ist hohes, martervolles Glück.

Zum Lohn für die im Zwang verschwundne Zeit
Dann bei dem Morgenstrahl, warm, mit Entzücken
Sich Mund an Mund, und Herz an Herz sich drücken –
O dies ist – Engelseligkeit!

Als ich einen Freund des nächsten Morgens
auf dem Lande zum Besuche erwartete

Sinke, sinke liebe Sonne sinke!
Ende deinen trüben Lauf,
Und an deine Stelle winke
Bald den Mond herauf.

Herrlicher und schöner dringe
Aber Morgen dann dafür;
Liebe Sonn'! und mit dir bringe
Meinen Lieben mir.

Der Frühlingsmorgen

Der erste Frühlingsmorgen
Erwachet über mir,
Und findet mich in Sorgen,
Und sieht mich fern von dir.

Sonst fand er mich in Freuden
An deiner trauten Hand,
Mir waren Trennungsleiden
Und Gram noch unbekannt.

Nun treibt mich banges Sehnen
Auf Wiese, Feld und Au:
Dort mischen meine Tränen
Sich mit dem Morgentau.

Obschon zu künft'gen Früchten
Die Erde Blüten trägt,
Die Nachtigall Geschichten
Von treuer Liebe schlägt;

Die holde Frühlingssonne
Auf uns hernieder lacht,
Und jedes Herz zur Wonne
Und zum Gebet erwacht:

Teil' ich doch nicht die Freuden,
Teil' ich die Andacht nicht,
Ich fühle nur die Leiden
Schwer drückendes Gewicht,

Nur, daß ich fern, o Trauter,
Von deinem süßen Kuß,
Der Erde Fest mit lauter
Wehklage feiern muß.


Selbstgespräch

Was ist ein Leben ohne Liebe?
Ein ödes Dasein, dumpf und trübe,
Das uns nicht Schmerz, nicht Lust gewährt,
Das kein Gefühl, als Unmut nährt;
Ein martervolles Nichtbehagen
An allem, was uns sonst entzückt,
Ein frost'ger Quell von steten Klagen,
Der jeder Freude Keim erstickt,
Ein kalter Hinblick auf die Szenen
Der allbelebenden Natur,
Ein Mittelding von Scheu und Sehnen
Beim Anblick jeder Kreatur.

Ein dämmernd Licht, das auf die Wonne
Des Lebens Riesenschatten streut,
Und eines künft'gen Glückes Sonne
Schon zweifelhafte Flecken leiht.
Ein Unkraut, das der Hoffnung Blüten
Im Herzen nicht gedeihen läßt,
Ein Kaltsinn, der der Menschen Bitten
Mit harter Stirne von sich stößt,
Von keiner Schönheit angezogen,
Von keinem Gegenstand gerührt,
Zu keiner edlen Tat bewogen,
Nie duldsam für die Schwachheit wird;
Ein Zustand, der das Herz entstellet,
Ein leerer, finstrer, weiter Raum,
Den nie ein Strahl des Lichts erhellet,
Und nie erfüllt ein süßer Traum;
Dem stillen Sumpfe gleich, der immer träge,
Von Wind und Wetter nie getrübt,
Aus seinem dichten Schilfgehege
Nur faule Dünste von sich gibt.

Was ist ein liebevolles Leben?
Ein langes Fieber, das zuletzt
Unheilbar wird; ein banges Schweben
In einem schwanken Schiff, das jetzt
Auf ruhigen Gewässern gleitet,
Und Hoffnung an dem Steuer hat,
Jetzt, wenn der Sturm das Meer bestreitet,
Herumgeweht wird, wie ein Blatt.
Bald auf ein wüstes Eiland treibet,
Bald nieder in die Flut sich senkt,
Auf Felsenklippen hangen bleibet,
Und dann die Schiffenden ertränkt.

Was soll man also? denn der Leiden
Gibt's wohl auf beiden Wegen viel;

Und echte dornenlose Freuden
Erwarten unser nur am Ziel.

Ihr Bild
nach dem Französischen

Verfolgt vom edelsten der Triebe,
Der sonst das Herz mit Lust beseelt,
Verfolgt von hoffnungsloser Liebe,
Und durch Erinnerung gequält,

Leg' ich die schönsten meiner Tage,
Von stillem Gram verzehrt, zurück.
Mir scheint das Leben eine Plage,
Der Tod Gewinn, das Grab ein Glück.

Ich suche meinen Geist vergebens
Durch andre Bilder zu zerstreun,
Und dieses bangen, kurzen Lebens
Mich Einmal, Einmal noch zu freun.

Ich flieh die laute Stadt, und wähle
Zum Aufenthalt das stille Land,
Hier suchet ängstlich meine Seele
Die Ruhe, die sie dort nicht fand,

Doch ach! umsonst! denn mich begleiten
Die Wehmut, und ihr schönes Bild,
Das jeden Raum und alle Zeiten
Wie Gottes Gegenwart erfüllt.

Ich seh' es in der Morgenröte
Und Abenddämmerung mir nahn,
Es schwebt auf jedem Blumenbeete,
Es irrt um jeden Wiesenplan.

Ich seh' in Rosen ihre Wangen,
Ich seh' in Lilien ihre Hand,
In Nelken ihre Lippen prangen,
Und in den Tulpen ihr Gewand,

Seh' in dem Veilchen, das, vom Strauche
Beschattet, blüht, der Holden Blick,
Fühl' ihren Kuß in Zephyrs Hauche,
Und sehne mich zur Stadt zurück.

Die Laube grünt: könnt' ich's vergessen,
Was dieser Anblick mir erneut!
Wie oft ich hier bei ihr gesessen,
Und meines Daseins mich gefreut!

Ich schleiche vom beblümten Hügel
Hinab zum perlenklaren Bach,
Und seh' ihr Bild im Wasserspiegel,
Und folg' ihm unwillkürlich nach:

Und flieht's mich gleich auf Augenblicke;
So such' ich's ängstlich wieder auf,
Wünsch immer meinen Schmerz zurücke,
Und reiße meine Wunden auf.

Nichts ist in jener Himmelssphäre,
Nichts ist auf diesem Erdenball,
Das nicht für mich Erinnrung wäre:
Ihr Bild verfolgt mich überall.

Sogar an Gottes heil'ger Stätte,
Wenn andachtsvoll die Seele sich
In Gott versöhnende Gebete
Ergießen sollte, stört es mich.

Doch, ach! verstummt ihr bangen Klagen!
Hier werd' ich sie nie wieder sehn.
Doch was ich hier nicht durfte sagen,
Soll dort ihr einst mein Mund gestehn.

An jenem Ort werd' ich sie sprechen,
Wo nie des Kummers Träne fließt,
Wo Gegenliebe kein Verbrechen,
Und Zärtlichkeit kein Laster ist:

In Gottes lichterfüllter Halle,
Am Quell des Guten seh' ich sie.
Steil ist der Weg; wir gehn ihn alle,
Nur, Einer spät, der Andre früh.

Das fruchtlose Beispiel

Unser deutscher Kaiser
Ist ein edler Mann,
Seine Untertanen
Hört er selber an,

Spricht dann den Bedrängten
Rat und Tröstung zu,
Sorgt, selbst wenn sie schlafen,
Noch für ihre Ruh'.

So will er dem Staate
Tag und Nacht sich weihn,
Nur durch Müh' und Sorge
Erster Kaiser sein.

Doch sein hehres Beispiel
Frommt mir Armen nicht.
Seit ich Nettchen kenne,
Kenn' ich keine Pflicht.

Immer schwebt ihr liebes
Bild mir vor dem Sinn,
Und mein ganzes Wesen
Füllt die Zauberin.

Denn ich seh' in jedem
Nullchen ihr Gesicht;
Amtskonzepte werden
Lied und Sinngedicht.

Kind, du bist mir immer
Unaussprechlich lieb!
Gerne will ich dich nur
Denken; - aber gib

Meinen Sinnen täglich
Nur sechs Stunden Frist:
Liebe, gib dem Kaiser,
Was des Kaisers ist.


Antwort

Lieber! ich begehre
Weniger, als du;
Eine Stund' gewähre
Mir nur täglich Ruh.

Alle meine Lieder
Weih' ich willig dir.
Aber gib mir wieder
Meine Andacht mir:

Dass du, statt der Priester
Am Altar, mir nicht
Mit dem Versregister
Kommest vor Gesicht;

Der mir, im Zerstreuen
Meines Geists, Gebet,
Psalm und Litaneien
Zum Gedicht verdreht.

Gern geb' ich dem Kaiser,
Was des Kaisers ist:
Gib dann auch, du Weiser!
Gott, was Gottes ist.


Das liebende Mädchen

Jüngling, wenn ich dich von fern erblicke,
Wird vor Sehnsucht mir das Auge naß:
Nahst du dich, so hält es mich zurücke
Wie mit Fesseln – und ich weiß nicht, Was?

Fern von dir hab' ich so viel zu klagen,
Und dir gegenüber sitz' ich stumm,
Kann dir nicht ein Sterbens-Wörtchen sagen,
Stammle nur, - und weiß doch nicht, Warum?

Stundenlang häng' ich an deinem Blicke:
Aber wenn der deinige mich so
Überrascht, fährt meiner scheu zurücke,
Will sich bergen, - ach! und weiß nicht, Wo?

Seh' ich dich mit andern Mädchen spaßen;
O, dann möcht' ich arme Schwärmerin
Meine Vaterstadt, mein Land verlassen,
Möchte fliehn, - und weiß doch nicht, Wohin?

Einsam laß' ich, statt mich zu zerstreuen,
Meinen Tränen ungestörten Lauf,
Wiege mich in süßen Träumereien,
Freue mich, - und weiß doch nicht, Worauf?

Denke mir das höchste Glück auf Erden,
Das ein Mädchen sich nur wünschen kann,
Hoffe, daß sie einmal kommen werden
Diese Freuden, - ach, und weiß nicht, Wann?

Denke von zwei gleich gestimmten Seelen
Mir die schönste, reinste Harmonie,
Möchte dich aus einer Welt erwählen,
Teurer Jüngling! – ach, und weiß nicht, Wie?


Große Wirkungen aus kleinen Ursachen

Wie klein muß nicht ein Wassertropfen scheinen!
Doch große Ding' entstehen oft aus kleinen.
Füllt ebenvoll ein Glas! es steht noch: aber gießt
Nur einen Tropfen dran, so läuft es plötzlich über.
Nicht anders wirkt aufs Herz ein Küßchen, das ein lieber,
Ein feuervoller Jüngling küßt.


Schwärmerei

Gibt’s unter jenen Sternenwelten
Nicht eine, wo noch ungekränkt
Die Hochgefühle Platos gelten?
Wo man nicht so despotisch denkt?
Wo fessellose freie Seelen
Sich dann nicht mehr aus Wohlstand quälen
Aus Schonung eins das andre flieht,
Das Herz bezwingt, und sich bemüht,
Unschuld'gen Wünschen zu entsagen?
Wo nicht durch laute bittre Klagen
Die Einsamkeit zur Hölle wird?
Wo uns nicht Eigensinn mehr trennen
Noch Vorurteil entfernen können?
Wo Eifersucht nicht Haß gebiert?
Wo Engel selber mit Entzücken
Auf edle Seelen niederblicken,
Die absichtslose Liebe ziert?

Gibt's solch ein Plätzchen noch da oben,
Der Dulderin zum Lohn bereit:
So nimm mich hin, die Seligkeit
Schuldloser Liebe dort zu loben.

In das Stammbuch
eines reisenden Gatten

Beglückt der Reisende, dem seinen Wanderstab
Die Mannigfaltigkeit mit Blumen stets umwindet:
Der Freunde hinterläßt, wo er verschwindet,
Und wo er hinkommt, Freunde findet;
Dem echte Treu sich zur Gefährtin gab,
Die, trotz des steilen Pfads der ungebahnten Erden,
Doch überall ihm folgt, und gern bei ihm verweilt,
Und seine Freuden und Beschwerden
In gleichem Maße mit ihm teilt!
Beglückt, wer so im sichersten Geleite,
Beschützt vom Arm der Zärtlichkeit, in Ruh,
Mit seiner Freundin an der Seite,
Durch's Leben wandert, Freund, wie du!

An einen schlechten Maler

Du darfst fürwahr dich deiner Werke freun,
Und mehr, als dies die größten Meister taten:
Da alle deine Schilderein
Den Pinsel gleich beim ersten Blick verraten.

Bei Übersendung einer Haarlocke

Was ich von Simson einst in der Geschichte fand,
Daß nämlich Dalila durch List den Starken band,
Indem sie ihm die Locken abgeschnitten,
Hab' ich als Fabel stets bestritten,
Und hielt die schöne Lockenräuberin
Für eine eitle Prahlerin.

Doch hohe Geisteskraft, nach der wir fruchtlos spähen,
Liegt, ich erfahr' es nun, in unsrer Häupter Haar.
Denn seit dem Augenblick, als ich es abschnitt, war
Es so um meinen Kopf, wie um mein Herz geschehen.

An den Mond
als Eduard verreiset war

Verschwiegner Mond, wärst du ein Spiegel:
O wie viel lieber wandelt' ich
Auf diesem bunten Blumenhügel!
O wie viel lieber säh' ich dich!

Trotz diesen zwischen uns gelegnen
Gebirgen würde dann mein Blick
Dem seinigen so oft begegnen,
Und niemand störte dieses Glück.

Doch strahl' auch so uns Trost hernieder,
Erheitre unsern Lebenslauf,
Und höre meine frommen Lieder,
Und trinke meine Tränen auf!

Sehnt Eduard, das Auge trübe,
Die Brust voll Seufzer, sich nach mir:
So birg ihm nicht, daß ich ihn liebe,
Und bring ihm diesen Kuß dafür.

Doch siehst du ihn bei einer Schönen,
Die mir ihn raubet: o! so zeig'
Ihm keine dieser bangen Tränen!
Bedaure mein Geschick, und – schweig!


An gewisse Leute

Ihr Unempfindlichen macht mir es zum Verbrechen,
Daß ich dem Monde nur mein Leiden eingesteh',
Und daß ich stundenlang mit Blumen weiß zu sprechen,
Und nicht zu euch mich Rats erholen geh?

Nein! lieber sei mein Zufluchtsort ein Garten!
Hier klag' ich Florens Kinder meine Not:
Und hab' ich gleich nicht Trost von ihnen zu erwarten,
So lohnet wenigstens mich keins davon — mit Spott.