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Wien im Gedicht

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Quelle:

Wien 'wörtlich'
Josef Weinheber

Dritte Auflage

München 1938
by Albert Langen-Georg Müller

Es gibt ein Wörterbuch
 

Gedichte
 

Sieg der Provinz
Wienerisch
Impression im März
Der Auflauf
Kalvarienberg
Es wäre nicht Wien
Waaßt? Net? Verstehst?
Colombingen
Wirtshausgespräche
Die Landpartie
Wurstelprater
Synomyna
Im Hause des Gerichts
Beim Heurigen
Der Philosoph
Moralischer
Straßenvolk
Der Ober an den Stift
Das Roß
Aus Kränkung

 

Sieg der Provinz

I waaß net, es gibt so vü' Dichter in Wien,
und ålle geehrt und berühmt.
Daß i allani net drunter bin,
håt mi schon immer verstimmt.

Der ane is Dante fürs Burgenland,
der andre Tiroler Horaz.
Der dritte is Sålzburger Repräsentant,
der vierte ein Hamsun aus Graz.

A jeder håts frischweg mi'n
Åcker z'tuan
und stellt si, als geberts kan Ståd.
Åber zhausz'gehn zum Pflug, des håt jeder verschwurn —
Weil er durt hålt kan Publikum håt.

Sie ham uns erobert: Bruck, Gurgl und Gföhl.
Då gibts jetzt nix wia pariern.
Beim Heurigen måchen jetzt de den Bahöl
und tan mit die Glasln skandiern.

Jå håt denn, so fråg i, Wien går niemand mehr,
der sein Kind und sein Dichter is?
Jå, aner war scho, åber segn S', des is schwer:
Der  k a n n  wås — um den is kan G'rieß.

A Söl von an Dichter: Wien und sein Schan,
die passerten wunderbår z'samm.
Åber dann war Wien  g r o ß  und Gföhl wieder klan:
Und des, na, des wolln ma net ham!

Wienerisch

Mir, ich muaß sågn, tuat so mancher weh,
den i die Schrift spritzen hör.
Wann er, 'ich meine' sågt, Tinterljuchee,
glaubt er, is er scho wer.

Deutsch, und i kanns, is mei Mutterspråch.
Åber des is hålt dås Gfrett:
I gråt in vülen mein Våttern nåch;
und der håt wienerisch gredt.

Früher ham Kaiser und Herrn si net gschamt,
z' reden wia d' gwöhndlichen Leut.
Heut gengan d' Dienstmadeln — Seidn und  Samt —
aa in der Språch mit der Zeit.

'Ria, was lest denn da?' — 'Mia, ich lies. . .'
Daß euch der Blitz net derschlågt!
Wann aa die Mode a Bofel is,
her muaß s', muaß her! — Weil ma s' 'trågt'.

Kaiser und Herren, de gibts nimmermehr.
D' Juden ham d' Vornehmheit påcht.
Wienerisch is ihner vü' z' ordinär —
sprechen nur Schrift — guade Nåcht!

'Trotz des. .ich bitt Sie. .vergiß ich daran . .'
Glei måchts der Wiener ihm nåch.
Ålt und Jung, Links und Rechts, 's ekelt an,
redt scho de grausliche Språch.

Stottert und stoppelt, verbringt kan Såtz
Schreibe und kan Dialekt.
Wundert si nåcher, wanns von sein Plåtz
druckt wird und langsam verreckt.

I, san S' net harb, wann i hundert wir,
red, wia ma ållweil gredt ham.
— Språch, des is Bluat, und Schrift is Papier —
Weil i aus Ottakting stamm.

Impression im März

Wårme Sunn, dås erste Pråterveigerl:
Ållweil wieder gfreust di wiara Kind.
Zårte Blatterl schiaßen aus die Zweigel,
und Papierln ziagn im Fruahjåhrswind.

Zwischen d' Bam palästern a påår Lackeln
g'schrian uns söig mit an Fetzenbålln,
drunt beim Bootsmann streichen s' schon d' Schinakeln,
und a Måler tuat die Gegend måln,

auf der z'nepften Jesuitenwiesen
pracken s' G'wehrgriff, so åls war nix gschegn,
und durch d' Bam durch kannst a Stückl Riesen-
radl und d' Rotundenkuppel segn.

Der Auflauf

'Wås gibts denn då? Wås is denn gschegn?'
— 'Mir scheint, es setzt a Gaudi.' —
'San zu vü' Leut, ma kann nix segn.'
— 'Geh, druck di fiari, trau di!'

'Aha, an Diab ham s' arretiert.'
— 'A Wolfshund håt wem bissn.' —
'Sågn S', Herr, wås is denn då passiert'
— 'A Baumberl håt er gschmissn.'

'Bei sowås segn S' kan Wachmann net,
derwei kann ans verblüatn.'
— 'An Herzstich? Schrecklich!' — 'D'Rettung steht
scho durt ums Eck, beim Wirten.!

'Einsturzgefahr beim Würschtelstand!'
— 'Göl, der durt is der Mörder?' —
'Des schiefe Gschau! Auf d' Pritschen gspannt
und urndlich trückert ghört er.'

'Na endlich a Inspekter, sixt?'
— 'Tun S' da kein Auflauf machen!' —
'Er håt eahm scho. Jetzt, Freunderl, pickst.!
— 'Sie, da is nix zum Lachen!

Sie gehen mit!- — 'Då bin i gspannt.'
— 'Sie revoltiern die Gassen!' —
'I håb do nur beim Würschtelstand
zehn Eß wohl wechseln låssen. .'

Kalvarienberg

Ålt-Wiener Gigerlfutter,Dåtteln, Feign,
Papierschirm, Teddybärn und Kindergeign,
Wurschteln und Puppen, Blechuhrn, Gummibålln,
mit Voornam ausstaffierte Jausenschåln,
vü' Taschelziacher und ka Detektiv,
der ideale Druckknopf 'Nur ein Griff',
Pistolen, Tomahawks und Federhaubn,
ein Durchanand und Wirbel, net zum glaubn,
Kruppzeug von Mandeln, dreihzehn, vierzehn Jåhr,
verwogne Kappelbuam mit pickte Håår,
Holzteller, Kollöffeln und Schåchtelwerch,
echt brandgemålt: 'Gruß vom Kalvariberg',
Bamkraxler, Ratschen, Trummeln, Luftballaun,
a Schreihals: 'Hier die letzteSensatiaun',
dazwischen Kinderg'wirkst und Kinderglück,
versoffene Trippler, gierig auf an Tschik,
blecherne Saxophon und Zeppelin,
kopfgroße Juxpaketln und nix drin,
kandierte Äpfeln, Zelteln, Kokosnüß,
Wurstzeug aus Marzipan, mit Fliagenschiss',
'Das Wunder-Ei, zehn Groschen nur ein Stück',
und wieder Kinderg'raunz und Kinderglück,
der erste schöne, wårme Tåg im März,
dazua das guade, ålte Wienerherz,
wås in sein Leichtsinn, in sein Übermuat
auf sein Årt fÅsten und in sich gehn tuat,
von Åschermittwoch bis Kårsamståg nein —
So wårs, so is 's, und so solls immer sein.

Es wäre nicht Wien

War net Wien, wann net durt,
wo ka Gfrett is, ans wurdt.
Denn dås Gfrett ohne Grund
gibt uns Kern, hålt' uns gsund. .

War net Wien, ging net gschwind
wieder amål der Wind,
daß der Staub wia net gscheit
umanandreißt die Leut.

War net Wien, wolltst zum Bier
und es stößert mit dir
net a B'soffener z'samm,
der a Feuer mächt ham.

War net Wien, wann net gråd
aufgråbn wurdt in der Ståd,
daß die Kübeln mit Teer
sperrn den Fremdenverkehr.

War net Wien, käm net glei
aner dasig vorbei,
der von d' Federn aufs Stroh
g'rutscht is, so oder so.

War net Wien, Pepi, wannst
raunzen mächst und net kannst:
Denn dås Gfrett ohne Grund
gibt uns Kern, hålt' uns gsund!

Waaßt? Net? Verstehst?
(Selbstgespräch eines Biertipplers)

Wann i, verstehst, wås z'reden hätt,
i schåffert ålles å.
Wås brauch ma denn des ålles, net?
Is eh gnua då.

Zum Beispü' die Gehälter, waaßt,
i streichert s' glått.
Net einz'segn, net, daß aner praßt
und aner går nix håt.

Und dann die Auto: Hårmlos gehst —
du bist do' Publikum —
då kummt a so a Gfraßt, verstehst,
und scheibt di um.

Die Fremden, waaßt, de schmeißert i
— a Schupfer, net? —
beim Tempel außi. Schert des mi,
wo so a Denkmål steht?

Die Pflåsterer, verstehst, de stiern
mirs heulig aa.
I låsserts ålle arretiern,
daß 's nur a G'hörtsi war.

Die ewige Aufgråberei,
verstehst, des Röhrlwerch,
då leb i, waaßt, do liaber glei
am Bisamberg.

Und d' Wächter, net, i bin do g'wiß
a rare Söl,
åber de müaßten weg, sunst is
nie Schluß mit den Bahöl.

Wo unseraner do nix wül,
waaßt, åls sei Ruah.
Sogår die Tschecherln, in mein Schwül,
verstehst, i sperrerts zua.

Colombingen
(theresianisch)

'Colombin, sey sie gescheidt,
hör sie auf die Tante!'
Colombingen hat nicht Zeit,
sehnlig in der Dunkelheyt
wartet der Amante.

Bey der Prucken, next dem Thor
meynt sie ihn zu finden.
Colombingen, seht euch vor!
Scharff so spüren Blick und Ohr
nach geheimer Sünden.

Schatten schleift, im Gäßgen gehn
dumpfe Schritt der Ronde.
'Steh sie!' . . Angstvoll bleibt sie stehn —
Itzo ists um euch geschehn,
arm- und kleine Blonde.

Mädgens so wie ihr allein
abends auf der Gassen,
sperrt der Commissari ein,
Uhr und Rang sambt Kreutzerleyn
müssent sie ihm lassen.

Unsre große Kayserin
ließe dekretiren:
Mit der Lieb ists auß zu Wienn,
Reinigkeyt und Tugend-Sinn
itzo triumphiren.

Colombingen, weinet nicht!
Kurtz nur währt der Kärcker.
Finge euch der arge Wicht,
weilen Keuschheyt höchste Pflicht —
Liebe doch ist stärker!

Euer Pursche wartet brav.
Lässet man euch lauffen,
wird er wohl zu Buß und Straf
(saget doch, daß er ein Graf)
neuen Auffbutz kaufen.

Eilt ihr dann zum Liebes-Tantz,
ey, so laßt euch sagen:
Geht nicht, ohne Buch und Krantz,
Andacht-Buch und Rosen-Krantz,
in der Hand zu tragen.

Dann so darf solch keuschen Sinn
kein Spion bezweyfeln.
Sonsten unsre Kayserin
hencket, item schicket ihn
schnell zu allen Teuffeln.

Wirtshausgespräche

'Gehts, Kinder, ruckts a wengerl z'samm!
I kumm jetzt gråd vom Lobesam,
er liegt no immer in Spitål,
die Doktern sågn, a rarer Fåll,
schaut aus als wiara Schwangerschåft,
sein Frau, des wißts jå, hams verhåft,
die Kinder san derweil am Land,
ma redt aa sunst no ållerhand,
's is jedenfalls wås dran nåch ålln,
sei Bauch håt mir scho lang net gfålln,
und daß er in der letzten Zeit
so gfehlte Guster ghåbt håt, Leut,
auf Nägel, Glåsscherbn, Schlüssel, Håår,
des is, gering gsågt, sonderbår.
Der Mensch is do ka Vogel Strauß.
A Krüagel, Franz! Dann geh i z'haus.'

'Weils gråd von Viecher reden tan,
i håb an Spezi ghåbt, i man,
des is jetzt aa scho dreißg Jåhr her,
— mir ham uns kennt vom Mülitär —
der håt in der Sandleiten draußt
in an klan Hauerhäus'l ghaust,
und wiara amål in sein Schwül
in Weingårt obn a Gruabn gråbn wü',
weil er, so håt er gsågt, beim Wein
ganz knåpp hiebei begråbn wü' sein,
da stößt er, d' Schaufel bricht eahm fåst,
auf an großmächtig dicken Åst.
Und wiaran rausziagt aus'n Sand,
wås glaubn S', wås's wår? — A Mammutzahnd!
's Museum håt nan glei erwurbn.
Der Mann is leider båld drauf gsturbn.'

'Weil S' »gsturbn« sågn, ham di Herrn scho ghört,
der Spårverein håt sich beschwert,
daß s' bei der Leich von ålten Schramm
am Gråb ka Red net ghålten ham,
wo er åls Obmann dreizehn Jåhr
und vierazwanzg im Ausschuß wår.
Es hätt ihm, Gottigkeit, gebührt,
uns wanns zu Wåhlen kumma wird,
zu Obmannswåhlen, wüll i sågn,
kanns nur von Wert sein, anzutrågn,
daß die Statuten g'ändert wern.
So gehts net weiter, meine Herrn,
im Grund is dås die Anarchie,
i sag nur: Jetzten oder nie!
A Fasserl, wann i Obmann wir.
Ah wås! Die Zeiten san hålt stier.'

'Es is a Jammer, då ham S' recht.
Åber die Zeiten san net schlecht.
Gehts nimmer mit der Politik,
probiern S' beim Schnapsen Ihna Glück!
Es gibt a Radio, gibt an Spurt,
a Feier då, a(n) Anspråch durt,
wer gscheidt und stad is, håt zum Lebn —
und Bedler, Herr, wird’s immer gebn.
Daß d'Leut kan Geld zum Saufen ham
— Jetzt sans vier Vierteln, häng ma's z'samm? —
des ärgert höchstens d' Wirt, und d' Wirt,
ghörn eo ipso massakriert.
Is d' Kuah hin, soll des Kaibl aa
hin sein, i trau mi wås, i drah
auf den sein blanken Zehner zua. —
Zåhl, Herr Raneder! — I håb gnua!'

Die Landpartie

Resi, Schursch, Mizzi, seids ålle beinand?
Påckts eng z'samm, Sunntåg is, heut gehts aufs Land!

Freulich, bis Hütteldorf kosserts z'vü' Gö'd:
Mir schaun vom Schüttel aus eini in d' Wö'd.

Vurn bei der Hauptallee gengan ma's aun:
Drah di net, du schiabst den Kinderwågn, Maun!

Resi, den Rucksåck nimmst du — und paß auf,
obn in der Höh san die Fleischlaberln drauf.

Schursch, du påck d' Kandl mi'n Gurkensålåt!
Låß die Spassettln sein, tråg ma s' schön gråd!

Mizzi, du bleibst bei der Klan vurn am Wågn,
Gölsen wegwacheln und Mülchflascherl trågn.

I geh åls letzers, i gib auf eng åcht,
drunt untern Lusthaus wird Mittågsråst gmåcht.

Durt ham ma Wiesen und Wåsser und Bam,
drinnat in Schülf san die Kroten daham,

Achkatzeln flitzen und Grülln schrein in Grås,
und übern Sand hupft a Kiniglhås.

Schurschl, und fischen kannst, Fisch' san durt gnua.
Nimmst dir, wann s' laar is, die Kandl dazua.

Ålsdern, då warn ma scho, då setzs eng her!
Då is in Umkraas kan Wirtshäusel mehr.

Maun, tua net grantig sein, waaßt as do eh,
's schådt dir — dafür kriagst an guaden Kaffee.

Schursch, spann es Leintuach auf, måch uns a Zö't!
Daß ma sein Schåtten håt, d' Sunn, de is g'föhlt!

Mizzi, fürn Vattern des größere B'steck!
Wia i net hinschau, san d' Fleischlaberl weg.

Resi, wås treibst denn? Die füattert då hint
d' Fisch' mit'n Strudel! Des is do a Sünd!

D' Klane hätt trunken. Jetzt kriagert i Luft.
Kinder, wo seids denn? San de gschwind verduft'!

Les nur dein Zeitung, Maun, låß di net störn!
I tua derwei aufn Kroteng'sang hörn.

Ziag da die Schuach aus und 's Röckl dazua!
Bis auf die Gölsen: A heulige Ruah. .

Jessas, die Söckeln! Ganz neuch und a Loch?
Wann i nur wüßt, wås i murgn wieder koch. .

Wurstelprater

Kumm, Antscherl, a Ringelspü' zåhl i dir gern,
des draht si wia d' Wö'd umadum.
Heut fåhrn ma in Flugzeug und Auto wia Herrn,
die Zeit für die Rösser is um.
Die Rösser, die stengan ganz hinten,
sie brauchen si nimmermehr z' schindten:
Die Jucker san heut nur für stanålte Leut —

Mir gengan ins mysteriöse Hotel
und schaun uns das Geisterschloß an.
Mir ham mit die G'spenster den höchsten Bahöl,
und liegt aun an Sterbn nix mehr dran.
Die Grottenbahn g'hört ins Museum,
die Zirkusflöh stengan båld eh um,
denn d' Flöh håt a Pest jetzt dahing'rafft, verstehst,
in Pråter, da zeign s' uns den Rest.

Beim Wurschtel, o mein Gott, die Bankerln san leer,
vur 'n Gådern heraußt stengan d' Leut.
Und kummt der mi'n Kapperl und wü' a Douceur,
so schaun s' wia di Haubnstöck auf d' Seit.
Der Wurschtel, der raaft si mi'n Teufel,
mir wurschteln wia er ohne Zweifel.
Den Kindern tuats gfålln, aber d' Großen solln zåhln,
drum tan ma dem Wurschtel wås måln.

Wü'st segn, Antscherl, wås für a Kerl i bin?
I schiaß auf elektrische Birn.
Beim Watschenmann hauri mit åller G'wålt hin,
då treibts mir die Augn aus'n Hirn.
Då kann i der Wut no an Ruck gebn,
er derf mir die Watschen net z'ruckgebn.
Drei Fotzen ins G'sicht — zehn Groschen: Beim G'richt
war 's net a so büllig, die G'schicht!

Der Ausruafer plågt si und schreit wia am Spieß:
'Zur Kassa — Sogleich is Beginn!'
Die Weltschau, die då in dem Diabsgassl is,
sixt besser heraußt åls wia drin.
Die Kappelbuam, Madeln, Soldåten,
san ålle guad troffen und g'råten —
Sie ziagn umanand, von Bude zu Stand,
und g'freun si, dås liegt auf der Hand.

Es riacht nåch 'n Gollasch von vurigen Tåg,
's is nämlich erst aufg'warmter guat.
Und göl, der Radetzkymarsch, des is kan Fråg,
der liegt uns no immer im Bluat.
Mir san hålt jetzt wieder die Ålten,
båld wern s' assentiern uns und g'hålten,
dann kumm' ma auf Ehr mülitärisch daher
mit an Sterndl am Krågn oder mehr.

Die Luftballaun blädern, die Lautsprecher olärrn,
es is a Gedräng, gotterbårm.
Wannst tanzen wü'st, Antscherl, du tuast es jå gern,
so nimm in Gottsnamen mein' Årm.
Mir gengan zum Englischen Reiter,
der Marokkaner is Zweiter,
ma wü' doch zum Tanz, aa a bisserl an Pflanz,
und die Jazz durt is tulli, die kanns.

I fåhr aa mit dir auf der Liliputbahn,
des håb i scho ållwei in Sinn.
Sie führt uns — den Schülling, den schauri net an —
durchs Greane zum Stadion hin.
Durt kann ma sich ungeniert küssen —
vom Riesenråd wü'st jå nix wissen —
Auf der Railway, då möcht wieder i net so recht:
Mir wird von den Hopsen ganz schlecht.

Mir könnten vielleicht aa ins Schweizerhaus schaun,
der Karpfen durt is a Genuß.
Im Gehn a Påår Würschteln so g'schwind einihaun,
des war net der richtige Schluß.
Beim Wålfisch, då hättens a Gösser,
der Eisvogel is mir zu 'besser',
und wann ma am End bis zum Kadrmann rennt,
is der Måstochs vielleicht schon verbrennt. .

Synomyna

Verehrte Herrn Fremde! In unsrer Språch
steht ans oft fürs andre, und denk i so nåch,

wia Namen sich wandeln und Zeiten dazua,
rentiert sa si fåst, daß i 's aufzeichna tua.

Schaun S' glei meine Freund an: Der Wondraschek haaßt
jetzt Wagner, weils besser zu Richardl paßt.

Die Leut gengan påbeln, doch d' Bramburi wern
jetzt vornehm Kartoffeln und spreizen si gern.

An Kåschernåt låßt åls 'Menü' man antrågn,
weil nämlich d' Franzosen 'Repas' dazua sågn.

A gschåffte Arbeit, drauf müassen S' net hörn:
Man kann zu an Freund do net sågn: Håb mi gern!

Des wissen S' vielleicht scho, daß jetzt und zum Glück
mir Bundesstååt haaßen anstått Republik,

daß aus die Fiaker san wurn die Schaffeur,
aus an Gwölb a Lokal, åber furtafurt leer,

aus Muatta und Vatta Mama und Papa,
aus an schlafrigen Wirtshaus a wurlerts O.K.,

aus manchen no manches, von den i net red,
weils eh ålle Tåg in die Zeitungen steht.

Es bleibt der Begriff, und es wechselt der Lut:
Bei uns sågn s' zum Thymian — Kudelkraut.

Jå, daß i zum Scluß net aufs Beste vergiß:
Mir wienern hålt ein, wås net wienerisch is,

und haaßen die 'Interurbane' daher
nur 'Überlandfernsprechvermittlungsamt' mehr.

Im Hause des Gerichts

Jetzt geh i 's neunte Mål
då her aufs G'richt.
Weil der Herr Råt mein Fåll
net klår gnua sicht.

I håb mi nämlich — wårn
S' bein Mülitär? —
gspült mit an blechnan Schmårrn
von Stoppelg'wehr.

Dås Luaderzeug geht los,
der Stoppel knållt
und schreckt den Herrn von Groß
mit åller G'wålt.

Mir ham mitsammen an
Veranda: stier!
Aus Holz a Paravent
trennt eahm von mir.

Er wår beim Schwårzen gråd.
Då schiaßts! — Er låßt
dås Häferl hinfålln, håt
gschrian und erblåßt.

No jå, wer woaß denn jetzt?
Schaun S', kehr um d' Hand
is d' Weanaståd besetzt
und Kriag in Land.

Er is jå gråd net gsturbn
in ersten Schreck,
nur 's Tischtuach wår verdurbn
und d' Schåln wår weg.

Natürlich håt er klågt.
Sein Hosn, d' Schåln,
und's Tischtuach, håt er gsågt,
ålls muaß i zåhln.

Mein Advokat verspricht
mir, daß i g'winn.
So gehts hålt scho bein G'richt:
Heut her, murgn hin.

Wegn so an Stoppelg'wehr!
Is des net z'dumm?
Mi gfreut mein Leben net mehr.
I bring mi um.

Beim Heurigen

'Hau di zucha, ålter Spezi!
Heut wern kane Faxen g’måcht.
Gschwind zwa Liter! Nuß, versteht si —
Muatta, gib auf d’Fannerl åcht!'

'Vatta, geh gib 's Messer umma,
daß i euch in Schunken teil.'
'Fix, jetzt kännt der Wein scho kumma!'
'D' Musi!' — 'Pepperl, hålt dein Mäu'!'

Drunt in Erdberg steht a Gassl —
'Hörst, de winseln går net schlecht.'
'Sixt, der Blade aufn Faßl
is der Herr von Engelbrecht.'

'Hab die Ehre, schamster Diener!
D' Frau Gemahlin? Sehr erfreut!'
'Segn S', des is die echte Wiener —
nur net stößen! — Gmiadlichkeit.'

'Såg ma, Ålte, wo is denn 's Madl?
Du, de måcht des wirkli guad!'
'Durt, der Herr mi'n pickten Schadl,
der is aa auf amoi furt.'

'Kruzitürken, de soll jå net —'
'Geh bleib sitzen, Spezi, geh!'
I muaß nåchschaun, ob i då net
mitfåhrn kann bei der Gaudee.'

'Jessas, Vatta!' — 'Jå, wo steckst denn?'
Waaßt, i suach — i suach — waaßt eh.'
'Suachst? Und håst as in der nächsten,
des is g'schpaßi, nächsten Näh?'

'Alsdern, 's Madl håt si g'fundtn,
wo is jetzt der Pepi aus?'
'der is gråd då hint verschwundtn
mit der Fräuln von Neunerhaus.'

'Åber, Vatta, låß na renna.
Muaßt net glei so kritisch sei.
So a Nåsn, des sollst kenna,
ist hålt no net g'aicht fürn Wein.'

'Schau, jetzt bringans d' Liachta fiara.
So a Windliacht låßt si segn.'
'D' jungen Leut ham kan Schenierer —
Schau de zwa durt, då wird wås gschegn.'

'Håt dar der går 's Liacht ausblåsn.
Na, vur so an håb ich gnua.
Solln in Wåld gehn! So a Nåsn!'
'Vatta, 's is do unser Bua. .'

'Du, jetzt wird ma langsam dosti.
Der Nußberger legt sie au!
Allwei riach i, allwei kost i,
bis i nur mehr scheangln kau.'

'Wås sågst, Spezi, a Nußberger?
Hörst, då kennst du aa kann Wein.
A Nußberger påckt di ärger —
Dås muaß a(n) Ålsegger sein.'

'A(n) Ålsegger, der war kecker,
der war schärfer, sei so guad!
Des is so a stader Lecker,
der dirs murgn erst kramperln tuat.'

'Heuligenstaner, des is aner!
Recht fürs Gmiad und für die Niern.'
'Nåch zwölf Vierteln kannst dar d' Baner —
denn då z'lecksnst — numeriern.'

'Meine Baner? Du, mei Liaber,
wü'st mi du am End vexiern?'
'Hörts, der Wamperte håt 's Fiaber!'
'Schaun S', daß S' Ihna g'schwind verliern!'

'Se Bagauner!' — 'Reib eahm ane!'
'De håt zundtn, der håt gnua!'
'Gemma, Vatta!' — 'Zahlen, Schani!'
'Jessas na, mir föh't mei Uhr. . .'

Hörts, wås die Musi spü't:
A harbes Weanerliad.
Då is, wia jeder sicht,
der Streit glei g'schlicht:

Des is ka Grinzinger und ka Nußberger net,
des is a echter, unverfälschter Säuerling,
dem hams die Sunn wegg'stohln,
den soll der Teufel holn,
des is der letzte Rest von Ottakring!

Der Philosoph

Tschaun S', Herr, Se san no jung,
Se könnan freuli låchen.
Mir Ålten föh't der Schwung.
Då kann ma hålt nix måchen.

I reiß mi net ums Gråb
um Ihnre Lustbårkeiten.
I kenn die Wö'd, i håb
mi separiert beizeiten.

Die Wö'd håt nur an Zü'
mit Streicheln und mit Beißen,
wo jeder jeden wü'
so guad wia's geht, bescheißen.

Se sågn, die Menschen san
net schlecht, ma muaß s' nur nehma.
Jå, Herr, die Tiger tan
fåst wana bei den Thema.

Begegnt Ihna in Wåld
a Maun allan — o Schrecken —
glei denken S' nur an G'wålt
und påcken fest den Stecken.

Die Ideal' san guad
für de, wås unten schwitzen.
Ma steckt si s' auf'n Huat
kummt ma in Såttel z'sitzen.

Mi'n Mäu' san ålle groß
im Guaden, d' reinen Lamperln:
Probiern S', und låssen S' los,
a tempo zeign s' die Kramperln.

Auf eahnere schönen Wurt
tua i nur d' Åchseln schupfen.
Wer går so sieb'nsüaß tuat,
der möcht an schmerzlos rupfen.

A jeder, wiara kann,
tuat Pick und Neid verdecken.
Er sågt: 'Sie ganzer Mann'
und denkt si: 'Jå, bein Bäcken!'

Se glaubn, der Ålte greint
und is für nix verdrossen?
I bin kan Menschenfeind,
i håb ma's nur genossen.

Wann S' Ihna mit der Bruat
net spezimopperl måchen,
erst dann gehts Ihna guad —
Des san scho solche Såchen.

Moralischer

Wann mir aa heut no
der Kopf brumma tuat:
Åber der Wein beim Lier,
Harr, der wår guat.

Håb i — du schaust so
unfreundschäftlich drein —
gestern wås angstellt, såg?
Guat wår da Wein!

Wia maanst, es graust dir,
du schaust nimmer zua?
Drahst di hålt weg, wann i
dreinkumma tua.

Drunten a Windliacht
und droben die Stern:
Madel, då håb i di
doppelt so gern.

Glaubst es net, sågst går,
i bin a Kretin?
Mein Gott, i wehr mi jå
eh gengan Wein.

Wo i a Zwerg bin
und er so a Ries',
då is dås Resultat
ungschauter g'wiß.

Stått daß d' mi trösterst,
— bin eh scho ganz z'nicht —
haaßt mi ålls mögliche,
des is a G'schicht!

Ganz kann jå kaner,
für des, wås er tuat.
Geh, setz di her zu mir,
sei wieder guat!

Straßenvolk

I bin der g'flickte Schani,
i steh am schårfen Eck.
Dås Eck g'hört mir allani,
des nimmt ma kaner weg.

Und tuat a Wåchmaun kumma,
so palisier i hålt.
I gfreu mi scho am Summa,
då schlåf i draußt in Wåld.

Z' Mittåg der Gollaschg'stankn
kann mi net irritiern.
I geh so in Gedankn
Coloniakübeln stiern.

Steckt aner kane Maxen
ins Gschäft, dann håt er's schwer.
Nur so mit bloße Haxen
in Schnee stehn, ziagt net mehr.

Der Pepi, der måchts nobel,
glei vis-a-vis von mir.
Der spü't auf sein Fotzhobel
den Gardeoffizier.

A so aner is eisen,
der reine Burschoa.
Geht, wann er Schluß måcht, speisen
— då låcht ma — ins O.K.

Die Jazz von Jaunerheini,
die håts scho net so guat.
San eahna netto neune,
und aner geht mi'n Huat.

I huast auf d' Propaganda,
i bedl,wiar i kaun.
An aner solchern Banda
is meistens eh nix draun.

Die Konkurrenz is größer
åls unser Gschöft vertrågt.
Mir ham går an Professer,
der in Park Ziddern schlågt.

Gegn so an is a stierer
Hausierer Kavalier.
Mir san hålt Kriegsverlierer
und Friedensopfer, mir.

Der Hunger, d' Årmut, 's Wana,
des san so unsre 'Tricks'.
Und manchmål meutert aner,
åber 's passiert scho nix.

Mir hålten scho die Goschen.
Mir san jå mårb und stier.
'I bitt schön, nur an Groschen,
gnä Frau, aufs Nachtquartier!'

Der Ober an den Stift

Erdzeissel, raudigs übereinand,
håst wiederum kan Eßzeug putzt!
Tua nur so weiter! — Eine Schand,
daß bei dir går nix nutzt.

Du håst die Konsequenzen z'trågn.
Mi stiert dås schon, dås ewige Gwirkst.
I wers dem Herrn von Kargl sågn,
mein Liaber, nåcher fliagst.

Du solltest dankbår sein, verstehst,
daß d' dienen derfst in so an Haus.
Göl, 's Trinkgeld nimmst, und Montåg gehst
jedsmal schön g'statzter aus.

Daß diese Jugend heut im Lebn
nicht für an Kreuzer Ehrgefühl hat!
Zu meiner Zeit, då hätts dås gebn!
— Ein Achterl noch, Herr Rat?

Saus hin! — Is recht, i maan dirs jå
nur guat. Im Handumdrahn bist frei,
und sixt as net, is 's Ålter då
und die Gaudee vorbei.

Der mit der Sensn und der Uhr
klopft an und schmeißt dich in die Gruabn.
Und frågn d' Leut, haaßts: 'Is heulig nur
a(n) ålter Kellner g'sturbn.'

Das Roß
(Schauplatz: Schulerstraße-Stephansplatz)

'Daß nur der Gammel wiedrum steht!'
— 'Für Glåtteis is er z' schwåch.' —
'Schau, ob er bis zum Standplåtz geht,
mir schiabn da 's Wagerl nåch.'

'So. Drah eahm d' Stolln an!' — 'Heb auf! — Bum!
Då ham ma dås Malheur.' —
'Jetzt fållt er uns scho wieder um!'
— 'Des gfreut hålt eng Schaffeur!' —

'Das arme Tier! Bist sicherlich
recht roh behandelt worn.'
—'Gehn S', Frau, san S' stad, i håb des Viech
doch erst åcht Täg zum Fåhrn,

bei uns wird net am Håbern gspårt. .'
— 'Åchtung, der Autobus!
Wann der eahm übern Schädel fåhrt,
is mit den Mustang Schluß.'

'Ålsdern, so hebn ma'n auf. Horuck!
Von so her ham ma 's båld.'
— 'Gebts åcht, daß er uns jetzt net z'ruck
auf d' andre Seiten fållt!'

'Na, na, spann ein, jetzt geht er scho.
Gehts, Leutln, helfts bein Wågn!
Mir schiabn derwei bein Bräunl aun.'
. . Ui Jessas, nur net schlågn. .

Aus Kränkung

Kennan S' den Nårrn?
G'spaßig, wia der
verruckt is worn.

Wissen S', er håt
a Büachel gschriebn:
wörtlich: D' Weanerståd.

Wia's Buach fertig wår,
sicht er 's Malheur —
Seitdem is er a Nårr:

An Wurt is 's nur.
Der Weaner håts ållweil parat:
Und  d e s  kummt net vur.